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Also zuerst einmal wollten wir damit unseren Fans einen Überblick geben, was wir letztes Jahr so getrieben haben. Wir waren ja schon relativ erfolgreich in Holland und Belgien und dementsprechend auf einigen Festivals unterwegs. Dort hatten wir die Möglichkeit, unsere Gigs mit entsprechender Technik ansprechend aufzunehmen. Auf der ersten DVD findet man 13 Songs, aufgenommen auf verschiedenen Festivals. Die zweite DVD enthält Backstage-Material und Interviews. Hier kann man auch einen sehr guten Eindruck davon bekommen, wie die Band abseits der Bühne drauf ist.
Eure Releases sind ja immer sehr wertig aufgemacht. Viel Bonus-Material, diverse Extras und und und. Ist das eine Geschichte vom Label oder sorgt ihr dafür, dass das so ist?
Nein, das liegt schon alles bei uns. Die DVD zum Beispiel haben alleine wir so zusammengestellt. Robert (Gitarrist, Anm. d. Aut.) machte die Live-DVD, suchte die Einstellungen bzw. Schnitte aus was nicht ganz einfach war, da alle Auftritte mit mehreren Kameras gefilmt wurden. Die Backstage-DVD habe ich gemacht, weil ich backstage einfach immer am filmen bin und die Jungs nerve. Dazu filmt auch meistens ein freund von uns, sodass ich auch hin und wieder mal zu sehen bin. Ich bin da eine absolute Nervensäge... (lacht).Aber wir machen das gerne, wir mögen es, den Leuten zu zeigen, wie es bei uns backstage zu geht. Insgesamt ist es natürlich unser Wunsch, unseren Fans so viel wie möglich zurück zu geben, da wir natürlich ohne ihre Unterstützung nie dort angekommen wären, wo wir jetzt sind.
Euer letztes Album habt ihr ja bekannterweise „Mother Earth“ betitelt. Was wolltet ihr damit und auf dem Album an sich eigentlich ausdrücken?
Das ist eigentlich eine zweischichtige Sache. Einerseits geht es um die persönliche Ebene, was fühlt ,man, wenn ein Mensch stirbt, der einem nahe steht. Das ist natürlich auch ein Teil von Natur. Dann kommt die zweite Ebene ins Spiel. Wir haben heute so einen Haufen hochentwickelte Technik, stehen den Kräften der Natur aber nach wie vor vollkommen hilf- und schutzlos gegenüber. Es geht also um die guten und die schlechten Seiten der Natur und unseres Verhältnisses ihr gegenüber.
Hast du ein besonderes Verhältnis zur Natur?
Ja klar! Ich liebe die Natur. Ich gehe gerne im Wald spazieren oder relaxe auf einer Wiese oder so. Aber ich habe keine irgendwie spirituelle Beziehung zu ihr.
Jetzt was anderes. Was hast du eigentlich gemacht, bevor du bei WITHIN TEMPTATION gelandet bist?
Oh, ich habe sehr früh damit begonnen, Musik zu machen. In meiner ersten Band war ich mit 13, die Jungs, mit denen ich zusammen spielte, waren alle 10 Jahre älter als ich. Wir waren eine reine Coverband. Blues-Rock, Stevie Ray Vaughn, van Halen, Journey und so was halt. Dann traf ich Robert er war damals in einer Band namens The Circle. Sie spielten so was wie WITHIN TEMPTATION heute, nur etwas elektronischer das Ganze, denn sie hatten keinen Drummer. Ich machte also schon lange Musik, bevor wir WITHIN TEMPTATION gründeten.
Ihr habt ja bekanntlich als Doom-Metal-Band angefangen, dann habt ihr euch ja quasi um 180° gedreht...
Ach, das finde ich eigentlich gar nicht. Ich denke, wir haben uns gar nicht so sehr verändert. Sicher, es ist schon irgendwie ein anderer Zugang geworden, aber man hört, dass die Band von Album zu Album gewachsen ist, sich verändert hat. Es war also keine 180° Drehung im eigentlichen Sinne, mehr eine stetige Entwicklung. Die Wurzeln kann man aber immer noch gut hören, denke ich. Wir sind älter geworden, wir lieben aber nach wie vor harte Gitarren, verbunden mit melodiösen Keyboard-Linien.
Meinst du, dass diese Entwicklung schon abgeschlossen ist und ihr den typischen, endgültigen WITHIN TEMPTATION-Stil jetzt gefunden habt, oder erwartet uns auf euerm nächsten Album wieder eine stilistische Überraschung?
Nein, das neue Album wird definitiv wieder ein ganzes Stück anders als „Mother Earth“ werden. Wir wollen uns einfach immer verändern und keine Kopie des jeweils letzten Albums machen.
Wo wir schon bei der nächsten Frage wären: Habt ihr schon neues Material?
Der Grund, warum wir nicht alle zusammen hier (Interview in Nürnberg, Anm. d. Aut.) sind ist der, dass die anderen schon dabei sind, zuhause Songs zu schreiben und im Studio zu basteln. Ich darf dann an einem Tag aufholen, was die Jungs in zwei Wochen zusammen fabriziert haben. (lacht)
Bist du wieder für die Texte alleine verantwortlich?
Ja, eigentlich schon! Aber hin und wieder arbeite ich doch mit Robert zusammen, wenn ich stocke sagt er „Ach, probier doch mal dies und jenes, lass uns in diese Richtung gehen“ und so weiter...
Was für Lyrics können wir denn auf dem neuen Album erwarten? Schwebt euch wieder so ein Konzept vor, wie auf „Mother Earth“?
Ja, wir versuchen auf jeden Fall wieder, ein Konzeptalbum zu machen. Es ist aber noch nicht ganz klar, in welche Richtung es gehen wird. Wir haben mehrere Ideen, worum es gehen könnte, sind uns aber noch nicht ganz sicher, was es am Ende werden wird.
Habt ihr eigentlich so was wie einen Lieblings-Produzenten, mit dem ihr immer zusammen arbeitet?
Nein, so was haben wir nicht. Wir arbeiten auf jedem Album mit einem anderen Produzenten. Das halte ich auch für wichtig, denn du veränderst dich ja automatisch von Album zu Album und diese Veränderungen sind ja auch beabsichtigt. Es ist darum unheimlich schwer, jemanden zu finden, der diese Veränderungen in dem Maße nachvollziehen und umsetzen kann, wie wir uns das wünschen. Wir haben auf jeden Fall noch keine Person gefunden, der wir das zutrauen würden.
Wie seht ihr euch denn im Vergleich zu Bands wie beispielsweise Nightwish oder Paradise Lost, mit denen ihr ja auch immer gerne verglichen werdet?
Puh, ich denke, dass wir uns schon ähneln, allerdings alle einen anderen Zugang zur Metal-Szene haben. Wenn du die Metal-Szene als Familie siehst, würde ich sagen, sind wir Cousins. Paradise Lost waren übrigens eine der Bands, wegen denen wir begannen, so eine Musik zu machen. Wir waren ja auch mit ihnen auf Tour und das war schon einmalig.
Wisst ihr schon, wen ihr als Support auf eure Tour mitnehmt?
Ja, wir werden mit Orphanage auf Tour gehen. Eine echt harte und groovige Metal-Band, dazu noch gute Freunde von uns. Wir fingen mal als Support-Band von ihnen in Holland an, diesmal nehmen wir sie mit. Wir mögen ihre Musik und sie sind wirklich gute Freunde. Die Zeiten ändern sich, aber man sollte nie vergessen, woher man kommt.
Auf eurer Tour jetzt im Dezember geht es ja wieder eher beschaulicher zu im Vergleich zu euren Open-Air-Gigs, beispielsweise auf dem SUMMER BREEZE dieses Jahr. Was mögt ihr denn mehr? Die großen Festival-Auftritte, mit 10-15.000 Zuschauern, oder lieber die kleinen in den Clubs mit sagen wir 1000 Fans?
Ich mag eigentlich beides gleichermaßen, denn jede Variante hat seine ganz eigenen Reize. Auf den Festivals kommen so viele Menschen, aber nicht jeder kommt, um dich zu sehen. Klar, das ist nicht immer so einfach. Das sollte man aber nicht unbedingt vergleichen. Das Summer Breeze ist übrigens eines meiner Lieblingsfestivals, es erinnert mich von der Atmosphäre immer an das alte Dynamo in Holland. Das deutsche Dynamo sozusagen. Ein tolles Publikum...
Nun eine etwas andere Frage. Wie hat sich denn euer Leben verändert, seit ihr so was wie Rockstars geworden seid? Ist das irgendwie problematisch für euch?
Für uns selbst hat sich eigentlich wenig verändert. Wir glauben auch nicht, dass wir uns irgendwie geändert hätten. Problematischer ist es, dass sich die Leute und ihr Verhalten dir gegenüber ändern. Viele Leute machen sich auf einmal ein Bild von dir und an diesem Bild halten sie dann fest, so bist du. Natürlich stimmt dieses Bild in 9 von 10 Fällen überhaupt nicht mit der Realität überein, aber das kannst du dann kaum noch ändern. Aber das ist wohl ein Preis, den wir zahlen müssen. Wir lieben es, Musik zu machen und wir haben es uns so auch nicht ausgesucht, es ist halt einfach passiert. Nicht, dass ich mich beschweren möchte... (lacht). Es ist einfach toll, dass wir jetzt von der Musik leben können und den ganzen Tag nichts anderes machen müssen.
Was ist es eigentlich für ein Gefühl, den Erfolg wachsen und wachsen zu sehen? Ein Gutes kann ich mir vorstellen, oder?
Eigentlich lief das Ganze ein wenig an uns vorbei, um ehrlich zu sein. Wir waren zu sehr beschäftigt, die ganze Zeit unterwegs, von einem Festival zum nächsten, um zu sehen, was eigentlich ab geht, wie die Leute uns und unsere Platte überhaupt annehmen. Klar bekommst du die Reaktionen mit, wen du auf der Bühne stehst. Aber als die Sache hier in Deutschland so richtig anlief, waren wir schon wieder zuhause in Holland. Wir haben das anfangs eigentlich gar nicht so mitbekommen. Wir haben alles erst mit Verzögerung von unserer Plattenfirma und unserem Management erfahren.
Es ist ja schon komisch und alles andere als normal, dass eine Platte, die bereits im Frühjahr 2001 veröffentlicht wurde, gute zwei Jahre später noch mal so durchstartet bzw. hier in Deutschland überhaupt erst veröffentlicht wurde. Wie kannst du dir das denn erklären?
Oh, die Platte wurde hier auch schon früher veröffentlicht, allerdings von einer kleineren Plattenfirma, die einfach nicht die Möglichkeiten hatte, wie unsere jetzige (GUN Records, Anm. d. Aut.). Dadurch hat sich das Ganze erst mal fast ausschließlich auf die Benelux-Länder konzentriert und da machten sie einen absolut tollen Job. Später landeten wir dann bei GUN Records, inklusive dem „Mother Earth“-Album. Die Leute von GUN sahen das Album als eine gute Möglichkeit an, uns in Deutschland vorzustellen. Damit konnten wir natürlich gut leben, denn „Mother Earth“ repräsentiert uns nach wie vor so, wie die Band im Moment ist, wir haben uns in den zwei Jahren, die dazwischen lagen ja nicht verändert. Es war bzw. ist ja noch unser aktuelles Album. Natürlich haben wir diesen Erfolg nicht erwartet. Wir gingen auf Tour, wollten am neuen Album arbeiten und dann passierte das. Ich kann es eigentlich nicht so richtig erklären...
Und was passierte zwischen 2001 und 2003?
Wir hatten ja nicht sofort den Erfolg in BENELUX, es wuchs dort ja auch ähnlich wie in Deutschland. Wir kamen ja auch eigentlich mehr so aus dem Untergrund. Wir spielten einen Haufen Shows und Festivals. Ein Jahr später hatten wir dann mit ICE QUEEN einen großen Hit, waren Nummer 2 in Holland. Das war auch schon absolut unerwartet. Und das Schönste daran war: Wir haben das alles alleine unseren Fans zu verdanken, nicht irgendwelchen Plattenfirmen, Musiksendern oder Marketingkampagnen. Die Leute riefen in Massen bei den Sendern an und sagten „Bitte spielt den Song, bitte zeigt das Video!“. Wir hatten damals tatsächlich ein Video, das allerdings alles andere als professionell war, ein „Home made video“ (auch auf der DVD zu sehen, Anm. d. Aut.) sozusagen. Die Sender entschlossen sich also schließlich, unser Video ein halbes Jahr nach Veröffentlichung der Platte - für verschiedene Selection-Shows on air zu nehmen. Die Leute riefen an, um das Video so oft wie möglich zu sehen. Dadurch wurden wir dann natürlich bekannter und auch andere Leute, die uns vorher nicht kannten, kauften unsere Platten, das war wahnsinnig aufregend. Und das Schöne ist wirklich, dass wir alles allein unseren Fans zu verdanken haben und niemand anderem.
Mit dem kommerziellen Erfolg besonders im Metal-Geschäft kommt vielfach auch Misstrauen auf. Viele Leute machen sich Gedanken, ob die Band ihre Seele verkauft hat, ob sie zu „weich“ geworden ist, nur um mehr CDs zu verkaufen. Machst du dir über so was Gedanken bzw. was erwiderst du Leuten, die dich mit solchen Überlegungen konfrontieren?
Ja, mit so was werden wir tatsächlich hin und wieder konfrontiert. Es gibt immer Leute, die dem Erfolg skeptisch gegenüber stehen. Solchen Leuten kann ich dann immer nur unsere Geschichte in Holland vor Augen halten. Nicht wir oder unsere Plattenfirma sind für den Erfolg verantwortlich bzw. haben das gepushed, sondern einzig und allein unsere Fans. Hier in Deutschland war es ein wenig anders, denn GUN Records haben schon einen Haufen Promotion-Arbeit gemacht, allerdings haben wir hier auch hart für den Erfolg gearbeitet, viel getourt und so weiter. Es war also eine Kombination aus beidem, würde ich sagen, Promotion und spielen, spielen, spielen. Wir lieben es, Musik zu machen und es macht nur Spaß, wenn wir Musik spielen können, hinter der wir 100%ig stehen. Deshalb tut es manchmal schon weh, wenn einem die Leuten sagen, dass man das Ganze ja nur mache, um mehr Geld zu verdienen. Das stimmt einfach nicht! Jeder hat halt seine Meinung, aber diese Leute wissen nicht, wie harte Arbeit es ist, Songs zu schreiben und zu touren und was es bedeutet, ein Vollzeit-Musiker zu sein. Wenn wir keinen Erfolg hätten, würden wir trotzdem weiter die gleiche Musik machen, wie wir es jetzt tun.
Willst du zum Abschluss noch was los werden?
Klar! Ich möchte hiermit alle eure Leser einladen, zu einer unserer Shows Ende Dezember zu kommen. Die Daten könnt ihr auf unserer Seite www.within-temptation.com finden, um mal ein wenig Werbung für unsere Page zu machen (lacht). Wenn ihr uns und unsere Musik oder vielleicht auch Orphanage, wenn ihr sie kennt mögt, kommt vorbei. Machts gut, eure Sharon
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