Multipop 20.06.08

Noch ganz im Zeichen des Schocks über die Absage des Gothic Metal Palace für den Samstag fuhren Pearloflight und ich nach Ermelo zum Multipop. Eigentlich hatten wir beide Festivals kombinieren wollen. Doch statt des von mir erwarteten schnellen Ausverkaufs des GMP wurde nur klägliche 700 Karten verkauft.
Ich glaube, das versteht keiner von den Szene-Insidern. Ich sah eher das Multipop unter einem ungünstigen Stern stehen, denn es war nicht nur das dritte Festival in der gleichen Region innerhalb von nur 3 Wochen, sondern hier wurde auch viel später mit dem Vorverkauf begonnen. Um es vorweg zu nehmen – das Multipop war ausverkauft. Mindestens 3000 Karten, wenn nicht gar 4000 wurden für den Freitag unter die Leute gebracht. Was aber hatten die Organisatoren des Multipop besser gemacht? War es die perfekte Mischung, indem man mit den Gruppen VAN DIK HOUT (den holländischen BAP) und den belgischen Superstars HET GOEDE DOEL zwei weitere Hauptacts verpflichtete, die jeder Holländer aus dem FF kannte? Unsere Sorge gleich für uns 6 unbekannte Bands hören zu müssen war unberechtigt. Denn während nur die drei Hauptacts in dem riesigen Zelt auftraten, spielten die anderen Bands während der Umbauphasen auf einer Außenbühne am Strand.



Das es für uns Sound- und lautstärketechnisch gehörig was auf die Ohren geben sollte, wurde und schon Stunden vorher klar, als wir gut einen Kilometer von der Halle entfernt in einem Restaurant des Jachthafens aßen. Da war nämlich der Soundcheck angesagt und Stephens Expertin zum Einstimmen seiner Drums (heißt sie Helga?) gerbte mächtig die Felle. Wir dachten erst ein Kind würde nur wenige Meter entfernt auf einer Trommel rumhauen.

So waren wir voller Erwartung, und das Wetter stimmte auch. Am späten Mittag hatten wir den Ferienpark Hoersterhoeve erreicht und einen schönen Platz zum Zelten zugewiesen bekommen.
Nach dem Zeltaufbau sind wir dann zur Halle gegangen wo 2 Stunden vor Einlaß noch kein einziger Die-Hard Fan zu sichten war. Pünktlich zum Einlaß um 18.00 Uhr waren wir wieder an der Halle und konnten uns sogar einen Platz in der 1. Reihe, ziemlich mittig, sichern. So konnten wir gut unsere Fahne ans Geländer spannen. Wir sahen wenig bekannte Gesichter, vielleicht 5 oder 6. Alle anderen waren wohl von der Absage des GMP noch so geschockt und hatten jetzt keine Lust auf das Multipop auszuweichen.


Erster Act in der Halle war VAN DIK HOUT, die wir schon auf dem Cult & Tumultfestival gesehen haben. Die kann man sich immer wieder ansehen – spielen bodenständigen Rock.
Als dann HET GOEDE DOEL auf die Bühne traten dachte ich an einen schlechten Scherz.
Zwei ältere „Teddybären“ um die 50, sangen abwechselnd, ebenfalls wie die andere Band ausschließlich auf holländisch, unterstützt von einem Saxophonisten. Doch das ungläubige Lachen beim ersten Lied sollte Pearl und mir schnell vergehen. Denn die Truppe machte eine sensationelle Stimmung in der Halle. Und von Lied zu Lied wurden Sie auch für uns besser. Großen Anteil daran hatte auch der Ex-Gitarist der Rockgruppe Ilse ten Damme. Genial wie der spielen kann. Als sich der Sänger dann beschwerte das er zwar unsere DARK WINGS-Flagge sehen kann, aber nichts von den eigenen Fans, wurden diese schnell kreativ. Die belgische Truppe kannte wirklich jeder und die Halle sang wie aus einer Kehle ohrenbetäubend mit. Solch einen „Anheizer“ hatten WT noch nie gehabt.

Das Fehlen der eingefleischten WT-Fans sollte der Stimmung keinen Abbruch tun. Als pünktlich um 22.30 das Intro auf der Leinwand erstrahlte, kochte die Halle. Auch MICHA hatte es pünktlich zum WT-Auftritt geschafft und arbeitete sich bis kurz hinter uns vor.
Als Sharon die Bühne betrat sah sie sofort unsere Flagge und winkte uns zu.
JILLIAN machte wie üblich den Anfang. Sharons Stimme war sehr präsent und klar. Und spätestens beim folgenden THE HOWLING war klar das sich Sharon heute so richtig austoben wollte. Wir hätten uns auch nicht gewundert wenn sie bei FORGIVEN gehadbangt hätte.
Da fiel es nur den Kennern auf, das Ruud nicht so spielfreudig war wie sonst, auch nicht die Nähe zu Sharon suchte wie sonst üblich. Vielleicht war er grippal geschwächt.
WHAT HAVE YOU DONE und STAND MY GROUND wurden lautstark mitgesungen. Bei THE HEART OF EVERYTHING wurde die Meute weiter aufgeheizt, sodaß es bei HAND OF SORROW regelrecht zu Tumulten kam. Da war das Tragen eines Helms Pflicht. Unser Zweimetermann, MICHA, wurde kurzerhand von der zweiten in die fünfte Reihe befördert.
Solch eine Stimmung hatte ich selten erlebt. Es folgten FORGIVEN und OUR SOLEMN HOUR. ANGELS und MOTHER ERARTH (wieder mit dem obligatorischen Knall am ende) bildeten den Schluss des Hauptparts. Die Zugaben wurde mit DECEIVER OF FOOLS eingeleitet, ICE QUEEN bildete wieder den Schlusspunkt.

Es war wieder ein sehr gelungener Abend und trotz der Absage des GMP auf jeden Fall die Reise wert.

Autor: TheCircle